Susi Jirkuff

Werktätige Zeichnerin

– ein Essay von Eva Maria Stadler

Weißt Du mein Schatz, wir brauchen nun mal Fürsorge und keinen Ausdruck, und da müssen wir nicht immer so authentisch tun und festhalten an einer Liebe, die uns zustößt oder an einem Beruf, in dem wir uns verwirklichen können und dauernd Selbst anhäufen, wenn uns das Kapital fehlt. Wir brauchen Fürsorge. Und das wird ganz ausdruckslos sein, wenn wir sozial sind.

Die Geister hauchen Figuren, Gegenständen und Landschaften Leben ein, lassen Linien tanzen, flimmern und flirren. Durch das Licht des Projektionsstrahls hindurch suchen sie sich den Widerstand der Fläche, auf der sie für einen Augenblick sichtbar werden, um sich sogleich wieder zu verflüchtigen. Für Susi Jirkuff bietet die Linie die Möglichkeit,  (mehr lesen)


„Wenn ich könnte, wär’ ich schon weg“

Zur Funktion des „Backdrop“ bei Susi Jirkuff

– ein Essay von Christian Höller

„Steh da nicht so rum“, herrscht eine Figur in Susi Jirkuffs Videoinstallation Boyz in the Wood eine zweite, ihr gegenüberstehende an. Die Arbeit, vom Titel her an John Singletons Spielfilm Boyz n the Hood aus dem Jahr 1991 angelehnt, enthält vielerlei ironische Wendungen. Da ist zunächst die Eindeutschung des afroamerikanischen Ghetto-Slangs, welche den „Trialog“ – es geht um die Konversation dreier, dezidiert cool wirken wollender Protagonisten – durchgehend kennzeichnet. So wird das provokante Kontra „Huh, dude?“ zu einem indigen-österreichischen „Was denn, Oida?“ und die schnöde Ansage „Make like a fly and buzz off yourself“ zu einem nicht minder rotzigen, germano-phonen „Dann mach’ dich doch selbst mal vom Acker!“. (mehr lesen)


Untamed

Susi Jirkuff’s “Wild Wood”

– an essay by Andréa Picard

“What have I, what have I, what have I done to deserve this?
What have I, what have I, what have I done to deserve this?
What have I, what have I, what have I …” –The Pet Shop Boys

It is impossible not to look up, up at the tree, the talking tree stuck in a bulky, square video monitor oddly perched on a white plywood branch of a white column in the basement of the Vienna Secession.  While the tree is ostensibly speaking to another tree—perched on an adjacent white column-cum-branch— one has the distinct impression that the tree is addressing them with its frustrated banter about being stuck, both literally and metaphorically immobilized. In fact, there are three trees in that tall, spartan forest (mehr lesen)


Absenz des Privaten im öffentlichen Blick

Zur Arbeit von Susi Jirkuff für Auwiesen

– ein Essay von Martin Fritz

Eine verschleierte Frau lacht mit ihrer Begleitung über die animierte Verschleierte auf dem, in einem Durchgang — wie abgestellt — platzierten Monitor. Wie oft im Rahmen des Festival der Regionen ergeben sich besondere Momente ohne Ankündigung, unwiederholbar und der Dokumentation schwer zugänglich. Tagtäglich führten Susanne Jirkuffs Filme zu ähnlichen Mikroreaktionen im öffentlichen Raum einer Wohnanlage, die unter anderem durch einen hochgradig gepflegten Freitraum auffällt, dessen private Nutzung jedoch auf die vorgeplanten Funktionen (Kinderspiel, gelegentliches Spazierengehen, Joggen oder Radfahren)  (mehr lesen)


Nachrichten aus Mediascape

– ein Essay von Stella Rollig

Wo sind wir zu Hause? Susi Jirkuff, eine versierte und neugierige Reisende, ist in ihrer künstlerischen Arbeit den Faktoren auf der Spur, die Zugehörigkeit, Vertrautheit und damit Identität stiften. Gewiss, Jean Baudrillard schreibt: „Die Identität ist ein Traum voller pathetischer Absurdität.“ Selbst wenn man zustimmt, kann man sich in diesem Traum, in dem die Traumata nisten, geborgen fühlen.

Jirkuffs Themen und Motiven zufolge sind es die scheinbar transglobal anonymisierten und die medialen Orte, an denen eine zeitgenössische Identität ihre Bauteile findet. Damit soll nun Globalisierung nicht plump pauschalierend als weltumspannende Nivellierung behauptet (mehr lesen)